Antragsstellung

Eine behinderte Person kann bei dem für ihren Wohnsitz zuständigen Versorgungsamt einen Antrag auf Feststellung einer Behinderung stellen. Das Versorgungsamt wird dann das Vorliegen einer Behinderung und den GdB (Grad der Behinderung) prüfen, feststellen und gegebenenfalls einen Schwerbehindertenausweis ausstellen.

Dieser Antrag kann zwar formlos erfolgen, es sollte jedoch ein entsprechendes Antragsformular verwendet werden. Die Antragsformulare gibt es in der Regel direkt bei den zuständigen Versorgungsämtern (Gemeindebüros oder Bürgerämtern) Vorort oder online, man kann es sich aber auch per Post oder per E-Mail zusenden lassen. Zusätzlich stellen viele Versorgungsämter mittlerweile Online-Anträge zur Verfügung. Diese können direkt im Browser ausgefüllt und abgeschickt werden

Neben Ihren persönlichen Daten (Name, Anschrift, Geburtsdatum) werden auch Angaben zu Ihren Behinderungen abgefragt sowie Angaben zu allen behandelnden Ärzten abgefragt. Zwar können entsprechende Unterlagen vom Amt bei den zuständigen Ärzten und medizinischen Einrichtungen angefordert werden, trotzdem sollten Sie dem Antrag immer Kopien von Befunden und Arztberichten beifügen.

Sollten die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises gewünscht sein, dann können Sie ebenfalls ein Lichtbild mitsenden.

Verfahren

Ist Ihr Antrag im zuständigen Amt eingegangen, dann wird geprüft ob Unterlagen fehlen und diese gegebenenfalls von Ihren Ärzten angefordert.

Sind alle benötigten Unterlagen vorhanden, dann beauftragt das Versorgungsamt einen Gutachter, der die medizinischen Unterlagen nach der Versorgungsmedizinischen Verordnung (Versmed V) begutachtet und auswertet. Das bedeutet, es werden alle beantragten Einschränkungen darauf geprüft, ob diese eine Behinderung verursachen und wie diese bewertet werden kann.

Das Anfordern der Unterlagen und die Begutachtung kann einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen. Also sollten Sie viel Geduld mitbringen.

Am Ende entscheidet das Versorgungsamt mithilfe des erstellten Gutachtens, ob eine Behinderung vorliegt, welchen GdB diese nach sich zieht und über die entsprechenden Merkzeichen.

Sie erhalten das Ergebnis in Form eines schriftlichen Bescheides. In diesem sogenannten Feststellungsbescheid wird Ihnen mitgeteilt ob Behinderungen anerkannt worden sind und Ihr endgültiger GdB aufgeführt.

Ist Ihr GdB weniger als 50, dann erhalten Sie nur eine schriftliche Mitteilung.

Beträgt er 50 oder mehr, dann erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis.

Anzumerken ist, dass die Feststellung ab dem angebenden Datum gültig ist und nicht erst, nachdem der Bescheid erstellt worden ist oder Sie ihn erhalten haben.


Der Antrag und auch das Verfahren sind für den Antragsteller kostenfrei.

Was gilt als Behinderung und welche Behinderungen können beantragt werden?

Es leiden mehr als ein Drittel aller Deutschen an einer oder sogar mehreren chronischen Erkrankungen. Anerkannt werden können schwerwiegende Erkrankungen wie zum Beispiel:

  • Asthma

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Diabetes

  • Schlaganfälle

  • Rheuma

  • MS (Multiple Sklerose)

  • psychische Leiden und Erkrankungen

Aber auch

  • Krebserkrankungen

  • und schmerzhafte Rückenleiden

Was muss im Antrag enthalten sein und was muss ich beachten?

Im Grunde können Sie sich an diese einfachen vier Schritte halten:

  1. Zuständigkeit klären: Klären Sie welche Behörden in Ihrem Bundesland zuständig ist. HIER kommen sie zur Suche der Versorgungsämter.

  2. Anfordern des Antragsformulars: Nun können Sie bei dem für Sie zuständigen Amt ein Antragsformular anfordern. Das kann telefonisch geschehen, aber auch über das Internet oder sogar online beantragt werden. Manche Ämter haben auf Ihren Seiten Online-Formulare, die Sie nur noch ausfüllen müssen.

  3. Ausfüllen des Antragsformulars: Wichtig sind hier Ihre persönlichen Daten, die Angaben zu Ihrer Behinderung, die Angaben zu den Merkzeichen, die bei der Ausstellung des Ausweises für nötig gehalten werden (Sind Sie unsicher, können sie das Feld auch leer lassen. Es entstehen dadurch keine Nachteile), die Anschrift Ihres Hausarztes und der Fachärzte bei denen Sie in Behandlungen waren/sind, die Erklärung zur Entbindung der Ärzte von ihrer Schweigepflicht und natürlich die eigene Unterschrift!
    Sie können auch medizinische Befunde dem Antrag beifügen, diese werden aber auch vom Amt bei Ihren Ärzten angefordert.

  4. Viel Geduld aufbringen: Das Antragsverfahren kann bis zu drei Monate dauern, bevor Sie einen Feststellungsbescheid erhalten.

In dem sog. Feststellungsbescheid wird der Grad der Behinderung (GdB) aufgeführt, den Sie schriftlich erhalten.

Beträgt der GdB mehr als 50 erhalten Sie als Antragssteller einen Schwerbehindertenausweis und Sie werden aufgefordert ein Lichtbild an das zuständige Versorgungsamt zu schicken.

Beträgt der GdB weniger als 50, dann erhalten Sie nur eine schriftliche Mitteilung.

Wer hilft beim Ausfüllen des Antrages?

Je genauer der Antrag ausgefüllt ist und je mehr Unterlagen Sie gleich vorab mit einreichen, umso leichter fällt es der zuständigen Behörde den Sachverhalt zu prüfen. Ihrem Antrag können auch erklärende Schreiben über Ihre allgemein Verfassung/Situation beigefügt werden.

Sollten Sie Hilfe beim ausfüllen Ihres Antrages brauchen erhalten Sie diese unter anderem:

  • In Sozialstationen von Reha-Einrichtungen. Sind Sie in Reha, so können Sie direkt von dort Ihren Antrag ausfüllen lassen. Die Sozialarbeiter legen dann meist auch gleich die Berichte der Einrichtung bei.

  • In Sozialstationen von Krankenhäusern.

  • Bei Pflegestützpunkten.

  • Bei Sozialverbänden der VdK oder dem Sozialverband Deutschland.

  • Bei Schwerbehindertenvertretungen

  • Und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat ein Video in Gebärdensprache veröffentlicht.

Einspruch erheben

Haben Sie nun den Schwerbehindertenausweis beantragt und Sie sind mit Ihrem Feststellungsbescheid nicht einverstanden, dann besteht für Sie die Möglichkeit im Rahmen der Rechtsmittelfrist von einem Monat einen Widerspruch einzulegen. Dazu empfiehlt sich ergänzend Ihre Ärzte davon zu überzeugen einen ärztlichen Widerspruch abzugeben.

Haben Sie Interesse daran, dann erfahren Sie HIER mehr dazu.